Neues Sympathischen Menschenbild

Vom Nutzenmaximierer zum liebend-kreativen Wesen

In der zweiten Folge der Radiosendung des Instituts für Gute Laune widmen sich Thomas Preibisch und Philosophin Sophia einer zentralen Frage unserer Zeit: Auf welchem Menschenbild wollen wir unsere Gesellschaft und Wirtschaft aufbauen?

Aufbauend auf der vorherigen Sendung zur „Neuen sympathischen Wirtschaft“ hinterfragen die beiden das klassische ökonomische Denken und entwerfen ein Modell, das den Menschen in seiner Ganzheit, Lebendigkeit und Beziehungsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt.

1. Die Kritik am Homo Oeconomicus

  • Reduktionismus der Wirtschaft: Das traditionelle Modell des Homo Oeconomicus betrachtet den Menschen rein als Nutzenmaximierer und Kostenminimierer.
  • Rückwirkung auf die Realität: Auch wenn dieses Modell ursprünglich nur eine Vereinfachung für Wirtschaftstheorien sein sollte, wirkt es entmenschlichend auf die Praxis zurück. Es führt zu einer Arbeitswelt, die auf reine Funktion, Effizienz und Profit ausgerichtet ist.
  • Die Ausblendung des Lebens: Schmerz, Freude, Opferbereitschaft oder das Bedürfnis nach echten Beziehungen (z. B. beim Kinderkriegen oder im sozialen Miteinander) lassen sich mit einer reinen Kosten-Nutzen-Rechnung nicht erklären.

2. Das Menschenbild des Lebens und der Beziehung (Sophias Ansatz)

  • Lebendigkeit & Selbstbewusstsein: Der Mensch unterscheidet sich von anderen Lebewesen dadurch, dass er sich selbst im Leben reflektiert und erlebt – er steht gleichzeitig im Leben und betrachtet sich von außen (exzentrische Positionalität).
  • Beziehung als Primat: Anstatt den Menschen als isoliertes „Ding“ zu betrachten, das danach Beziehungen eingeht, gilt: Zuerst ist die Beziehung da. Der Mensch erfährt sich immer in Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zum Leben.
  • Leben ist Liebe: Leben und Lieben entstammen derselben Wurzel. Eine ehrliche Wirtschaft muss sich an den tatsächlichen menschlichen Bedürfnissen und am Schenken/Empfangen orientieren, da das Leben selbst ein Geschenk (eine Gabe) ist.

3. Das „Puzzleteil Mensch“ & der Homo Kreativikus (Thomas’ Ansatz)

  • Das Puzzleteil-Modell: Jeder Mensch lässt sich metaphorisch als Puzzleteil verstehen. Die Ausbuchtungen (Gnubbel) stellen die Fähigkeiten dar, die Vertiefungen die Bedürfnisse. Wo Fähigkeiten und Bedürfnisse zweier Menschen ineinandergreifen, entsteht eine sympathische Beziehung – ein Stückchen Liebe.
  • Der Mensch nach Schiller: Frei nach Friedrich Schiller ist der Mensch „nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Wirkliches Menschsein entfaltet sich dort, wo der Mensch schöpferisch gestaltet, ausprobiert und verletzlich ist – nicht wo er am Fließband funktioniert oder nur konsumiert.
  • Die „Ich-Blüte“ & das Sozialkunstwerk: Die Entwicklung verläuft vom Samen über den Keimling bis zur Blüte. Die Ich-Blüte ist die Begeisterung über die eigene Besonderheit. Wenn viele Individuen in ihrer eigenen Farbe erblühen, entsteht das „Ich-blühte-Wir“ – ein lebendiges Gesamtkunstwerk.

4. Was bedeutet das für die Praxis?

  • Weg vom Ding-Denken, hin zum Beziehungs-Denken: Preise und Waren sind nicht alles; entscheidend ist die Beziehungsqualität – sei es zwischen Käufer und Verkäufer oder Mensch und Natur.
  • Räume zum Ausprobieren: Wir brauchen soziale Versuchsräume (wie den Kreativen Montag oder experimentelle Spiele), in denen Menschen herausfinden können, was sie wirklich wollen und was sie der Welt schenken möchten.
  • Fehler als Chance: Während Maschinen keine Fehler machen dürfen, machen Fehler und Dummheiten den Menschen erst innovativ. Sie sind der Schlüssel zur Entwicklung.

Fazit:

Das neue sympathische Menschenbild fragt nicht: „Wie ziehe ich den größten Nutzen aus meinem Gegenüber?“, sondern: „Stimmt und fühlt sich die Beziehung lebendig an?“ Auf diesem Felsen aus Stimmigkeit, Schöpferkraft und Liebe lässt sich ein Miteinander bauen, das den Menschen zum Erblühen bringt.

(Musikalisch umrahmt wurde die Sendung von Liedern des Instituts für Gute Laune wie „Komm wir gehen spazieren“, „Ich blüh“ und „Zukunftsmusik“.)

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